Raucherquote: „Jahrbuch Sucht 2023“ zeigt rückläufigen Tabakkonsum

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Als im Dezember 2022 die neuesten Zahlen der sogenannten DEBRA-Studie (Deutsche Befragung zum Rauchverhalten) veröffentlicht wurden, war für viele Medien schnell klar: Der Konsum von Tabak in Deutschland ist insbesondere unter Jugendlichen wieder „in“. Aktuelle Zahlen zeigen nun jedoch, dass von einer solchen Trendwende wahrlich keine Rede sein kann. Im Gegenteil: Der Verkauf von Tabakwaren – und damit deren Konsum – sind in den letzten Jahren konstant rückläufig.

Raucherquote sinkt

© DHS

Ende April wurde das „Jahrbuch Sucht 2023“ der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) veröffentlicht. Der Bericht fasst die aktuellsten epidemiologischen Zahlen und Fakten zu Alkohol, Tabak, illegalen Drogen, Glücksspiel und weiteren suchtbezogenen Themen in Deutschland zusammen. Demnach lässt sich zunächst feststellen, dass die Zahl der Raucherinnen und Raucher in Deutschland auch 2021 gesunken ist. Die gemessene Gesamtprävalenz aus Zahlen des Mikrozensus 2021 beträgt 18,9 Prozent bei Personen über 15 Jahren. Bei Frauen liegt dieser Anteil bei 16 Prozent, bei Männern bei 22 Prozent. Der Epidemiologische Suchtsurvey weist für das Jahr 2021 zwar eine 30-Tage Prävalenz für erwachsene Raucherinnen und Raucher von 22,7 Prozent aus. Allerdings haben beide Untersuchungen eines gemeinsam: Betrachtet man die Daten der vorherigen Jahre, erkennt man einen klar rückläufigen Trend in der Raucherquote in Deutschland.

 

Pro-Kopf-Verbrauch weiter rückläufig

Dieser Trend deckt sich auch mit aktuellen Verkaufszahlen des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2022. Diese zeigen ebenfalls deutlich, dass der Pro-Kopf-Verbrauch von Tabakwaren in Deutschland konstant weiter sinkt – 2022 im Vergleich zum Vorjahr um ganze 8,3 Prozent! „Der Rückgang fiel damit deutlich höher aus als in den vergangenen Jahren“, heißt es dazu in der Pressemitteilung von Destatis. Seit 1991 hat sich die Menge an versteuerten Zigaretten in Deutschland damit mehr als halbiert. Auch das „Jahrbuch Sucht 2023“ der DHS bestätigt, dass die Ausgaben für Tabakwaren in Deutschland weiter rückläufig sind. 2022 lagen sie insgesamt bei 27,1 Mrd. Euro netto, ein Rückgang um 7,7 Prozent zum Vorjahr. Insbesondere bei Fertigzigaretten (-8,3 %) und Zigarren und Zigarillos (-8,9 %) gab es starke Rückgänge.

DEBRA: Methodische Vorsicht angebracht

Die offiziellen statistischen Verkaufszahlen stehen damit in deutlichem Kontrast zu den medial stark rezipierten Aussagen der DEBRA-Studie von Ende 2022, wonach die Raucherquote in Deutschland über verschiedene Altersgruppen hinweg im Vergleich zum Vorjahr spürbar angestiegen sei. Insbesondere bei Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren habe sie sich praktisch verdoppelt, und das in nur einem Jahr! Schlüssige Erklärungen dafür konnten selbst die Autoren der DEBRA-Studie nicht liefern. Zudem ist aus Sicht von Experten auch aus anderem Grund Vorsicht bei der Interpretation der DEBRA-Daten geboten.

„Leider gibt es keine Auskunft über die Größe der Teilstichproben. Sollte der Anteil der 14-bis 17-Jährigen nur einen winzigen Teil ausmachen, wären die Daten wenig aussagekräftig“, sagte etwa Bernd Werse, Soziologe und Mitbegründer des Centre for Drug Research der Goethe-Universität in Frankfurt/Main, zu Jahresbeginn gegenüber „WELT Online“ (€). Eine Verdoppelung der Quote unter Jugendlichen binnen Jahresfrist erscheine auch ihm sehr hoch, zumindest ohne genaue Kenntnis der Stichprobengröße der Jugendlichen sowie der Auswahl und Antwortquoten in der Befragung. Der Bundesbeauftragte für Sucht- und Drogenfragen Burkhard Blienert bestätigte damals im gleichen Artikel von „WELT Online“:

Die Hinweise auf einen so starken Anstieg der Raucherquote bei Jugendlichen stammen aus einer sehr kleinen Stichprobe.

Versachlichung statt Effekthascherei

Klar ist: Die medial weit verbreitete Wahrnehmung, wonach das Rauchen in Deutschland ein Comeback erlebe, scheint vor dem Hintergrund aktueller Zahlen und offener methodischer Fragen in Bezug auf die DEBRA-Studie so nicht haltbar zu sein. Vielmehr sprechen die bekannten statistischen Daten mit Blick auf Verkaufs- und Konsumtrends dafür, dass sich der seit Jahren anhaltende Trend eines rückläufigen Konsums von Tabakwaren in Deutschland auch 2022 nicht grundlegend umgekehrt hat.

Damit dieses Bild differenziert und ganzheitlich betrachtet werden kann, sollten statt einer Studie allein stets verschiedene Daten aus verschiedenen Quellen zusammengetragen und verglichen werden. Publikationen wie das „Jahrbuch Sucht“ der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen tragen dazu bei, emotionale Debatten über die Raucherquote in Deutschland zu versachlichen und somit ein deutlich klareres und damit zielführenderes Abbild der Realität zu vermitteln. Alles andere erhält schnell den Beigeschmack von Effekthascherei.

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